„Was haben Sie als Kind am liebsten gegessen?“ – Mit dieser einfachen Frage begann in einem Seniorenheim in Montpellier ein Gespräch, das Sprachbarrieren mühelos überwand. Gemeinsam interviewten deutsche und französische Auszubildende ältere Bewohnerinnen, hörten aufmerksam ihren Lebensgeschichten zu und entdeckten dabei, wie Essen, Erinnerungen und Begegnungen Menschen miteinander verbinden können.

Nach dem Besuch der französischen Auszubildenden in Heidelberg im vergangenen Jahr folgte nun der Gegenbesuch: Erstmals reisten acht Auszubildende der Sonderberufsschule Hauswirtschaft (SBSH) der Marie-Baum-Schule & Hotelfachschule Heidelberg nach Montpellier. Vom 18. bis 22. Mai nahmen sie an einem besonderen Erasmus+-Austauschprojekt teil, das von der französischen Schule „EREA Jean-Jacques Rousseau“ organisiert wurde.

Der Austausch ist Teil eines gemeinsamen pädagogischen Konzepts der Marie-Baum-Schule, des Internationalen Bundes (IB) und des Mathilde-Vogt-Hauses in Heidelberg-Kirchheim. Ziel des Projekts ist es, Begegnungen zwischen Generationen zu ermöglichen und gleichzeitig den internationalen sowie interkulturellen Austausch zu fördern. Die angehenden Fachpraktikerinnen und Fachpraktiker Hauswirtschaft, die ihre Ausbildung unter anderem im Mathilde-Vogt-Haus absolvieren, stärken dabei wichtige soziale, kommunikative und pädagogische Kompetenzen für ihre spätere Arbeit mit älteren Menschen.

Fünf ereignisreiche Tage erwarteten die deutsche und französische Gruppe in Montpellier. Bereits am ersten Tag stand das gegenseitige Kennenlernen im Mittelpunkt. Trotz unterschiedlicher Sprachen gelang die Verständigung mit viel Offenheit, Mimik, Gestik und digitalen Übersetzungshilfen. Gemeinsam bereiteten sich die Teilnehmenden auf die Interviews mit Bewohnerinnen eines Seniorenheims vor und entwickelten Fragen zu deren Lebensgeschichten.

Am zweiten Tag besuchten die deutsch-französischen Teams das Seniorenheim „L’EHPAD des Aubes“. Jeweils eine deutsche und eine französische Auszubildende führten gemeinsam Gespräche mit einer Seniorin. Im Mittelpunkt standen Erinnerungen an frühere Essgewohnheiten, Tischkultur, Lebensmittel und das Leben vergangener Zeiten. Eine professionelle Übersetzerin unterstützte die Gespräche, die durch Audioaufnahmen und Fotografien dokumentiert wurden. Mit Geduld, Humor und großem Einfühlungsvermögen entstanden wertvolle Begegnungen zwischen den Generationen.

Der dritte Tag bot Raum für Reflexion. Die Auszubildenden hielten schriftlich fest, welche Begegnungen sie besonders bewegt hatten und welche Erfahrungen sie aus den Gesprächen mitnahmen. Am Nachmittag sorgte ein gemeinsamer Ausflug an den Strand für Entspannung und weitere schöne gemeinsame Momente.

Am vierten Tag wurde gemeinsam gekocht. In deutsch-französischen Teams bereiteten die Jugendlichen das mehrgängige Festessen für den Abschlusstag vor. Mittlerweile hatten sich Freundschaften entwickelt, sodass die Zusammenarbeit ganz selbstverständlich verlief. Gemeinsam wurde geschnippelt, gekocht, gebacken, probiert und viel gelacht.

Den Höhepunkt bildete schließlich das gemeinsame Festessen am fünften Tag. Die Tische wurden liebevoll dekoriert, Blumenschmuck arrangiert und die Speisen angerichtet, bevor die Bewohnerinnen und Bewohner des Seniorenheims eintrafen. Zwischen den einzelnen Gängen präsentierten die deutschen und französischen Jugendlichen die Portraits der interviewten Seniorinnen – selbstverständlich zweisprachig und erneut begleitet von der Übersetzerin. Kulinarische Genüsse und bewegende Geschichten sorgten für einen unvergesslichen Nachmittag.

Der Abschied fiel allen sichtlich schwer. Viele Umarmungen, Tränen und das Versprechen, sich wiederzusehen, zeigten, wie intensiv die gemeinsame Woche erlebt wurde. Die während der Interviews entstandenen Fotografien werden dauerhaft an diese besonderen Begegnungen erinnern. Darüber hinaus entsteht im Nachgang ein gemeinsames Buch mit Portraits, Fotografien, Rezepten sowie QR-Codes zu den aufgezeichneten Podcasts.

Auch Berufsschullehrerin Annika Schmidt, die die Schülerinnen und Schüler nach Montpellier begleitete, zog ein begeistertes Fazit: „Es war eine emotionale und erfüllende Zeit, die alle Teilnehmenden unbedingt fortsetzen möchten. Welch ein Erfolg für den Dialog zwischen den Generationen und die deutsch-französische Freundschaft!“

Der erste Austausch der Hauswirtschafts-Auszubildenden mit Montpellier hat eindrucksvoll gezeigt, wie bereichernd internationale Begegnungen sein können. Das Projekt verbindet berufliches Lernen, gelebte Inklusion, interkulturellen Austausch und den Dialog zwischen den Generationen auf ganz besondere Weise – und soll auch in Zukunft fortgesetzt werden.

Und hier noch der Artikel von David, Marina und Lukas, SchülerInnen aus der SBSH, zu ihrer Fahrt nach Montpellier: 

Am 17.5.2026 sind wir 14 Stunden mit dem Flixbus nach Montpellier gefahren. Am Montag, 18.05.2026, sind wir in Montpellier angekommen. Nach der Ankunft im Internat haben wir über die Woche gesprochen, was anliegt. Am Tag darauf waren wir im Seniorenheim und haben ein Interview mit den Senioren geführt. Wir wollten von ihnen wissen, welche Lebensmittel und Rezepte sie aus ihrer Kindheit und Jugend kannten und lieben. Das war sehr interessant. Wir waren überrascht, dass die Lebensmittel damals mit riesigen Eisblöcken gekühlt wurden. Außerdem wurde vieles eingelegt, um es länger haltbar zu machen. Im Anschluss an die Gespräche hatten wir ein professionelles Fotoshooting, das hat Spaß gemacht. Anschließend waren wir in der Stadt. Am Mittwoch, den 20.5.2026, haben wir das Interview in ein Protokoll übertragen und sind danach an den Strand gefahren.  Wir sind geschwommen und haben Muscheln gesammelt und am Abend sind wir in die Stadt gefahren und haben dort zu Abend gegessen – Curry, Reis, Cocktails. Am Donnerstag, den 21.5.2026, haben wir mit den Franzosen zusammen gekocht, um das Buffet für den Abschlusstag vorzubereiten. Wir kochten deutsche und französische Gerichte.  Am Freitag, den 22.5.2026 haben wir gemeinsam mit den Franzosen und den Senioren zusammen gegessen und die Interviews präsentiert. Wir waren traurig, als die Zeit zu Ende war. Es waren spannende und inspirierende Tage und wir sind froh, das wir das erleben durften.

von David, Marina & Lukas (SBSH)